Die Erfindung der tragbaren Nachtwächter-Kontrolluhr
Einfach ein Uhrengehäuse so verschließen, dass der Nachtwächter es nicht selbst öffnen kann und in die Uhr einen Mechanismus einbauen, der die Kontrollgänge auf einem Papierstreifen dokumentiert. Das war die wunderbare Idee, die den Schwenninger Erfinder, Dichter, Denker und Ratschreiber Johannes Bürk zum Unternehmer und Fabrikanten machte. Jetzt musste an jeder Kontrollstelle nur noch ein Schlüssel sein, statt einer kompletten Uhr. Erfunden hat er zwar - nach neuesten Erkenntnissen - die tragbare Wächterkontrolluhr nicht, aber er hat die Idee in perfekter und eigener Art umgesetzt und bald die meiste Konkurrenz weit hinter sich gelassen. War es der große Schwenninger Stadtbrand von 1850, den mitzuerleben ihm die Dringlichkeit des Bedarfs an einem solchen „mechanischen Aufseher” für Wächter deutlich machte? Oder brachte er bereits von der Weltausstellung in Paris 1855 oder der internationalen Ausstellung 1856 in Brüssel so viele Aufträge nach Hause, dass er Leute einstellen und im größeren Stil produzieren konnte?
Noch bis in die 1980er Jahre galten die Nachtwächter-Kontrolluhren der Württembergischen Uhrenfabrik Bürk als unverwüstliche Markenware. Aber bereits 100 Jahre zuvor hatte die Württembergische Konkurrenz aus eigenem Stall bekommen: Sein ehemaliger Werksleiter Jakob Schlenker-Grusen machte sich mit der guten Idee selbständig und Bürk Konkurrenz. In direkter Nachbarschaft baute er seine JSGUS-Fabrik auf und am Anfang sogar Bürks Nachtwächter-Kontrolluhr nach. Zwei weitere Schwenninger und Bürk Mitarbeiter kamen um 1912 auf dieselbe Idee: Heinrich Schmid und Ernst Jauch gründeten die Firma Jundes und stellten als vierte Fabrik am Ort Kontrolluhren her. Der dritte im Bunde, Friedrich Ernst Benzing, stammte aus einer alteingesessenen Schwenninger Uhrmacherfamilie. Auch ihn faszinierten die komplizierteren Kontrolluhren mehr als die einfachen Wecker, als er 1890 in der Karlstraße seine Fabrikgebäude zur Fertigung von Kontrolluhren verschiedenster Art erbaute.
Die Sonderausstellung 'Zeit ist Geld - Kontrolluhrenbau im Schwarzwald' dauerte vom 22.04.2005 bis zum 30.06.2006.
Die Ausstellung wurde auch in Dortmund in der Zeche Zollern LWL - Industriemuseum vom 21.12.2008 bis zum 1.03.2009 gezeigt.