Zeit ist Geld - Kontrolluhrenbau im Schwarzwald

Materialausgabe um 1920

Die Saalschreiberin

Eine mechanische Uhr besteht aus über 100 Einzelteilen, die in verschiedensten Arbeitsgängen in den vielen Etagen und Sälen einer Uhrenfabrik hergestellt werden. Und nicht nur eine, sondern ein variantenreiches Sortiment von Uhren war ständig in Produktion. In jedem Saal gab es einen Meister, es gab die Arbeiterinnen und Arbeiter und: eine Saalschreiberin, ein Posten, der oft mit Frauen besetzt war.

Sie hielt genauestens fest, was im Saal an Arbeit getan worden war. Meistens war ihr Arbeitsplatz mit einer Stempeluhr ausgestattet, die schnell und unbestechlich die jeweiligen Abhol- und Fertigstellungszeiten auf der Arbeitskarte festhielt. Zusätzlich schrieb sie von Hand oder mit einer Schreibmaschine die Namen oder Personalnummern dazu und hakte die Arbeitsgänge ab. Das war wichtig für die Stücklöhne, für die Akkordabrechnung und für die Nachkalkulation. Sie organisierte den Marsch der Halbfertigteile von Arbeitsgang zu Arbeitsgang, denn Fließbänder waren in Uhrenfabriken selten und erst seit den 1960er Jahren in Betrieb. Die Arbeiterinnen und Arbeiter kamen zu ihr, holten sich ihren nächsten Fertigungsauftrag ab und ließen auch beim Abgeben der bearbeiteten Stücke von ihr die Zeit abstempeln. Sie schrieb Ablieferungszettel für die nächste Abteilung oder für die Packerei, auf dass im nächsten Saal die Kollegen damit weiterarbeiten konnten; und, genauso wichtig: sie schrieb die Akkordstückzahlen der Arbeiter zur Weitergabe an das Lohnbüro zusammen. Bei ihr konnte man immer mal nachsehen, wie man gerade mit seinem Arbeitstempo in der Zeit lag.

Die Sonderausstellung 'Zeit ist Geld - Kontrolluhrenbau im Schwarzwald' dauerte vom 22.04.2005 bis zum 30.06.2006.

Die Ausstellung wurde auch in Dortmund in der Zeche Zollern LWL - Industriemuseum vom 21.12.2008 bis zum 1.03.2009 gezeigt.